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Textproben von Robert Kleindienst

Autor: Robert Kleindienst © 2006/Salzburg



Inhalt [Titellinks →]:

 

bildersturm →

elaborierte nähe →

soviel geht über →

auch nicht das geringste geringere übel →

minder: postkartengrüße →

einklang fühlbarer leere →

nach, zu und von duino →

ruhephase →

quartalsnachrichten →

verwegene männer am wegrand →

nur eine unscheinbare beobachtung →

im moment liegt vergangenes näher →

finalmente non qui →

nur einen schritt weiter →

marcello: sonata op. 2 no. 11 →

wen es noch mehr berührt →

das schönste im traum →

dies bildnis ist bezaubernd schön →

patchwork →

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Lyrik

 

bildersturm

veranda- déjà-vus mit
verdun-beigeschmack
sie gehen in frieden
Ils ne passeront pas

so sagt man
der himmel sei blau
und niedergeschlagen
einzig die stimmung
des allein verbliebenen

 

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elaborierte nähe

bilder allabendlich:
vergessen, unvergessen,
orgasmisch zentriert –
bilder von tulkarem
verändert zu spät
wahr genommen
der ein, einschreibbare
wehlaut wiederholung

unterm strich
so zu sagen
es wäre
es sei
auch
diesmal
zu
wenig

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soviel geht über

im nach
nach und nach
abtastbaren bereich
steigert sich das wenige
wieder nur dem ablicht zugewandte
-

zugewandert
also auch unnötig zu sagen
es wäre fremd
phrenetisch lesende
als ab
als abbild deiner gedankenlosigkeit


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auch nicht das geringste geringere übel

stein-poeten
mit gegengleichen
nomadenkutten
verspüren sie, die,
die stein-poeten, dieselbe
aggression
angesichts duschwasser
mit goldfischen, gold,
ach, wie kleinlich
sind doch die beschriebenen
farben, wie goldlüstern
im abrausch wären sie,
die stein-poeten, wär doch
gelaicht


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minder: postkartengrüße

maledivische kadaver, angeschwemmt
in überragender nahaufnahmen-manier, nur jetzt,
nur jetzt: hieße es abschied nehmen
vom bild mit palmen im hintergrund,
vom geruch des balsamierenden kokosnussöls,
abstand zu nehmen von übermalungen
in der vielzahl eines toten, eines – nur jetzt
ließe sich auch das maledivische nahe
entfernter betrachten

 

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einklang fühlbarer leere

weshalb auch nur
ein nichts ein niemand
zu sein
bei der berührung
nackter haut
aber nein:
angeregt zu expandieren
in die wieder entdeckte
unterwelt
unterwasserwelt
fast schon atemlos
verlagerung der meerheimat
ins verdunstende
wir verändern die zuschreibung:
wie immer zu späterer stunde:
erloschene kerzen
zu beschreiben einzig:
die lumiszierende hand

 

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nach, zu und von duino

engelsgleich: fremdwort,
wenn finger weinranken
reißen, am turm,
bluten sie nicht wahr

fremdwort:
wenn der blick sich einstellt
aufs wortfremde schild:
auf dieser terrasse schrieb rilke seine duineser elegien

hier
und nirgendwo
schrieb, schrieb, schrieb
einer, von dem man weiß,
dass


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ruhephase

hacienda-eskapismus
versus
stilisierte ausdruckslosigkeit

enklaven des wartens

hier steht bereit
was vergehen will
ohne zu staunen


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quartalsnachrichten

stockung
wenn du -
ferne distanziert -
sie
lacht

stockung. oder
mehr des schreibens.
fällt das fenster auf
bricht tag ein.
tag.

dein
respektive ihr
angebrochener tag
gleicht nicht dem
auf papier
hier
stünde nur wieder etwas wie
nebelhaft nah


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verwegene männer am wegrand

wer sagt es
(um: wie deplaziert
am rand zu stehn,
mit aufgerissenem gesicht,
blutmondaugen,
nein, nicht zu sprechen vom
hals im luftschaft,
davon, wiederum, hielten
nur wenige mehr)
wer,
wer sagt es


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nur eine unscheinbare beobachtung

verwegene männer am wegrand
laufen der zeit
hinterher.
laufend die zeit und
laufend
die angst in den bäumen
bäumt sich
wer auf


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im moment liegt vergangenes näher

dieser punkt der
erhofft und erwartet
pikiert von der unmenge nebensächlichkeiten
zweifelhaftes liedgut
unsingbar
wie zuvor gleich
einer parabel an nebensächlichkeiten
gleich
dem so nicht sagbaren nichts
unsingbares andeutungsweise
um verstehen zu geben
es wäre doch: mehr
des gesagten mehr
eines untrennbar mit dem autor
verbundenen gefühl des staunens
der verachtung
der geringfügigen hochschätzung und
doch passiert nichts
wiederholt:
nichts: hier
hier
beim soeben erdachten

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finalmente non qui

wieder meer, wieder
der selbe, unscheinbare steg
ins aus, zahl, zählen:
die schritte

denkwiderstand –
aufgebracht wäre
jetzt fehl am platz,
wo man schweigt

die liebenden wo
sind sie hin
gegangen auf- und
ausgelöst mit dieser
diesen silben


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nur einen schritt weiter


leerzeit,
ohne zu stehn,
ohne dem abschied
die hand zu brechen,
leerzeit,
um auch nur eine sekunde
senkrecht
zu stehn

stehen gelassen
im glauben
ohne rückfragehinweis
verkäme diese lyrik
zum nichts sagenden
gerede



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marcello: sonata op. 2 no. 11

strand vor meeraug:
die entjungferte dünenzeile
birgt den wunsch nach
dammbruch

schwenkt die wetterkamera
wellenförmigem nach
hält das meeraug (wh. ) zielgerichtet
aufs horizontale:
antonyme von hektik
und marketing

einfallend: bachmanns
auf widerruf gestundete zeit
ohne nebelgeliebte

grenzwertigkeit, abseits
von holzplanken, blechdosen,
hautnah geschichte,
schiefer im finger



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wen es noch mehr berührt

der luftröhrenschnitt
liebste
bringt nicht nur die rose
so
in verlegenheit
wie wir es nie
auszusprechen wagten




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das schönste im traum

akzeptanz
unter der eisdecke
neben erstickten fischen
in gold



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dies bildnis ist bezaubernd schön

sein blick sei, sei
von den stäben im aug
enttäuscht, kein tag
wiederhole sich nämlich, und ob,
im aug sei ein blick
vom tiger im käfig,
gestehe, die hungerkünstler
riechen den braten


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patchwork

über nacht, über nacht
steht keine silbe mehr
auf von den lebenden
überläufigen doch
dann wieder leichteres:
überflugschneise mit tango
vorm himmel, und wär’s die korrigierte,
vertonte, undiplomatisch versetzte
nachtsilbe, sie stünde
auf und aufgebrochen
vor dem überlaufenden

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